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30 Jahre Viroflay – Haßloch – Kolokani (de)

 

Partnerschaft – ein schönes Wort, und „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, wie Hermann Hesse sagt.

Meist verfliegt er, lasten erst die Mühen der Ebene. Wenn aber Menschen Partner bleiben über Jahrzehntehinweg, dann ist das nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern eine Leistung. Geboren aus gutem Willen,Geduld, Ausdauer und nicht zuletzt Bereitschaft zum Kompromiss. Es gehört auch dazu der Mut, sich einzulassenauf andere und anderes, die Kraft, über den eigenen Schatten zu springen und die Größe zu verzeihen.

Viroflay und Haßloch – kleine Orte in großen Ländern. Gemeinsam ist ihnen das Haus Europa. Verschiedensind sie in der Prägung : Viroflay urbaner, im alten Glanz des nahen Versailles und im zeitenüberdauernden Strahlen der Kapitale Paris.

Haßloch, bis heute nicht ohne Stolz das „Großdorf“, aber auch eingewoben in das Rhein-Neckar-Dreieck, einen der bedeutendsten Wirtschaftsräume Deutschlands und nahe der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main.

1961 – noch hatten Franzosen das Knallen deutscherWehrmachtstiefel in den Ohren, Ältere in Deutschland und Frankreich gar noch den Verwesungsgestank von Verdun. Im kollektiven Bewusstsein beider Völker war viel weniger der große, gemeinsame, weil vornationale Anfang unter Karl dem Großen / Charlemagne. Viel lebendiger wirkte Versailles 1871 und 1918, Demütigung und Triumph für die jeweils andere Seite.

Die Schmach und das Auftrumpfen von Compiègne 1940 und fünf Jahre später dort die Besiegelung von Deutschlands tiefstem und selbstverschuldetem Sturz. In Deutschland auch der zwiespältige Blick auf Napoleon und – zumal in der Pfalz – die Verheerungen durch Ludwigs des XIV. Kriegsherrn Mélac.

In Frankreich Sedan und dann die von Bismarck inszenierte Krönung des preußischen Königs zum deutschen Kaiser Wilhelm I., ausgerechnet im Spiegelsaal des Schlosses Versailles. Schließlich die Erfahrungen mit dem Säbelrasseln Wilhelms des II. Man sehe sich an in Straßburg das Denkmal der „Elsässischen Mutter“ – in den Armen ihre beiden Söhne – gefallen für Frankreich der eine, für Deutschland der andere.

Gräbt man etwa den trennenden Graben umso tiefer, je höher die verbindende Kultur ragt ?

Den Graben überwinden wollten Briand und Stresemann in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts.
Wieder waren die Zeitumstände dagegen – wer verantwortet diese eigentlich ? 30 Jahre später gelang es.

Robert Schuman, Konrad Adenauer, Charles de Gaulle, auch Carlo Schmid konnte Zeichen setzen. Einsichten überwogen allmählich das Ressentiment. Möglich war dies aber nur, weil die Menschen in den Städten und Dörfern beider Länder einander die Hände reichten. Vor einem halben Jahrhundert taten dies auch die damaligen Bürgermeister von Haßloch und Viroflay Emil Schneider und Pierre Chédel. Sie blieben nicht allein, die Bürger der Gemeinden folgten dem Beispiel. Aus Partnerschaft wurden Freundschaften zwischen einzelnen Menschen. Längst ist Alltag eingekehrt – durchaus auch dessen Banalität.

Es ist aber wichtig, zumal für die Jüngeren, in die Globalisierung hineingeborenen, dass man weiß um das Vergangene. Nur so kann man das – eben nicht selbstverständliche – Glück des friedvollen Miteinanders erfassen, bewahren und zu Jahrestagen mit Überzeugung feiern.

1981 – Kolokani in Mali. Nicht nur geographisch soviel ferner als Haßloch und Viroflay einander sind. Im Bewusstsein des Europäers nicht nur das Elendspanorama der aktuellen Berichte und Bilder aus Afrika, die uns die Medien so häufig liefern. Mancher denkt auch an die „Die traurigen Tropen“ eines Claude Lévi-Strauss oder an das „Das Herz der Finsternis“ eines Joseph Conrad.

Im Kontrast dazu das Klischee von lebenspraller Buntheit, ursprünglicher Kraft, Sinnlichkeit. Auch darin, nicht nur in den Einsichten und Ansichten von Intellektuellen und Schriftstellern ist allerdings Wahrheit.

Verwirrt mag man sich abwenden, man könnte schließlich auch unbequeme Wahrheiten über sich selbst erfahren. Man kann aber auch genauer hinsehen, dann hingehen, sich einlassen auf das Fremde damites vertrauter werde, der Horizont sich weite, aus Vorurteilen Kenntnisse werden.

Vor 30 Jahren machten Menschen aus Viroflay diesen Schritt. Sie gingen nach Mali, in ein Land also, das ehemals Teil war von Französisch-Sudan. Naheliegend einerseits im Zeichen der Frankophonie, doch damit auch unter dem problematischen Vorzeichen des damals noch nicht so sehr lange zurückliegenden Kolonialismus.

Später kamen Haßlocher dazu. Sie kamen natürlich über die Partnerschaft mit Viroflay, hatten sie doch an sich keinen „direkten Draht“ zu Mali. Auch so übrigens bestätigen sich Partnerschaft und Freundschaft, indem aus ihnen Neues und Gutes erwächst.

Das vorliegende Heft ist verfasst von und handelt von Menschen, die über weite Wege auf einander zugegangen sind und dabei Gräben überwunden haben. Die Vielstimmigkeit reflektiert die Vielfalt der Eindrücke und Perspektiven. Zugleich ist sie Zeugnis für das, was Menschen – bei allen Unterschieden – einander verbindet. Wenn man die im Heft enthaltene Tabelle der realisierten Partnerschaftsprojekte betrachtet, so erkennt man natürlich, dass im Materiellen von Gleichgewicht nicht die Rede sein kann. Eine „Einbahnstraße“ des Gebens von Europa nach Afrika. Das weiß man auch in Kolokani, wie mancher Text von dort ganz deutlich zeigt. Man stellt den Partnern aus dem Norden die eigene, so ganz andere Lebensweise und Kultur mit solcher Herzlichkeit und Lebendigkeit vor, dass sie sich durch die Eröffnung einer neuen Welt bereichert fühlen.

Das materielle Ungleichgewicht soll deshalb nicht ignoriert werden. Es zu verschweigen, wäre unaufrichtig.
Wesentlich ist : Die 30-jährige Partnerschaft Viroflay-Haßloch-Kolokani ist keine kalte Verwaltungssache. Sie schöpft – in aller Würde – aus der Wärme der Freundschaft, die nur bestehen kann, wenn sie gegenseitig ist.

Die einzelnen Heftbeiträge möchten das Interesse an dieser dreiseitigen Partnerschaft erhalten und stärken und so ihrer guten Zukunft dienen.

   
 
 
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