Accueil > Decouverte > Vie pratique et culturelle > Habitants et traditions > Die Jagd und die Jäger in Mali (de)
 

Die Jagd und die Jäger in Mali (de)

 

Die Jagd und das Sammeln sind die ältesten Formen der Nahrungsgewinnung des Menschen. Die Organisationsformen
dieser Tätigkeiten und die angewandten Techniken sind aber von Kultur zu Kultur unterschiedlich.

In Mali sowie in dem gesamten Manding-Kulturkreis*** weist die Jagdtätigkeit trotz einiger kultureller Eigenständigkeiten
sehr ähnliche Organisationsformen auf.

Die Einwohner in dieser Gegend zeigen große Ähnlichkeiten in ihren zivilisatorischen und kulturellen Werten,
ihrem Glauben sowie ihren Sprachen. Bamanankan in Mali, Maninkakan in Mali, Guinea, Gambia und
Senegal, Jula in Burkina Faso und Elfenbeinküste stellen Varianten des Mandingue, einer Sprache, dar, deren
Sprecher sich weitgehend verständigen können. Zudem sind bei den Manding-Völkern die soziale Organisation,
die Rituale sowie die mündlichen Traditionen weitgehend identisch.

Die folgenden Zeilen befassen sich mit einem Aspekt der reichen Kultur dieses Gebietes, nämlich mit der
Jagdkultur, einer der ältesten kulturellen Erscheinungen der Gegend.

Der Mythos der Jägerbünde

In diesem Kulturraum sind die Jäger in Bünden organisiert. Das Leben in diesen Bünden ist vom Mythos
eines Schutzgeistes namens Saanè ni Kòntòròn**** geprägt. Der Mythos Saanè ni Kòntòròn existiert in vielen
Varianten. Für diese Abhandlung werde ich mich auf drei Varianten beschränken.

1. Der Mythos von Saanè ni
Kòntòròn nach Drissa Diakité

Saanè war die Tochter von Fa Kòmè,
einem sagenhaften Jäger. Sie war mit
Kòndòlòn, einem Geist des Busches, in
einer sehr tiefen Freundschaft verbunden,
der es ihr ermöglichte, die Geheimnisse
des Busches sowie die Sprache
seiner Einwohner zu beherrschen
und sie den Jägern beizubringen. So
wurde das Paar Saanè ni Kòndòlòn von
den Jägern verehrt und nach ihrem Tod
als Schutzgeister bei jeder Gelegenheit
angerufen.

2. Der Mythos von Saanè ni
Kòntòròn nach Mambi Sidibé*****

Eines Tages entdecken die Einwohner eines Dorfes ein seltsames gliedloses Wesen hinter ihrem Dorf. Jeder
Versuch, dieses bewegungslose Geschöpf in das Dorf zu bringen, scheiterte, bis ein Dorfbewohner anfing,
auf dem Sinbi, dem Musikinstrument der Jäger, zu spielen. Plötzlich bewegte sich das Wesen und seine
Glieder begannen zu sprießen. Im Klang der Jägermelodie machte es sich auf den Weg zum Dorf. Dort enthüllte es seine Identität : Er war ein Geist namens Dôso und betrieb die Jagd, in die er seine Gastgeber einweihen
konnte. Später heiratete er ein Mädchen des Dorfes und zeugte zuerst eine Tochter, dann einen
Sohn. Bevor aber dieser zur Welt kam, traf Dôso auf der Jagd auf eine einäugige, einhornige und einbeinige
Antilope, die ihm davon abriet, auf sie zu schießen. Er kümmerte sich aber nicht um diese Worte. Er schoss
auf das seltsame Wild, das, bevor es starb, noch sein Bein auf den Kopf des Jägers setzen konnte, mit den
Worten : „Du hast auf dein letztes Wild geschossen.“ Daraufhin verwandelte sich Dôso in einen Nyama-
Baum mit menschlichem Aussehen.

Inzwischen hatte seine Frau im Dorf einen Jungen zur Welt gebracht. Bevor jener getauft wurde, machte er
sich auf die Suche nach seinem Vater im Busch. Er traf auf den eigenartigen Baum, der auf seine Verwunderung
antwortete, dass er genau derjenige sei, nach dem er suche. So öffnete er seinem Sohn sein Herz. Den
Empfehlungen des Vaters gemäß wurden der Sohn Kontron und dessen Schwester Sâné getauft. Die beiden
Geschwister wurden Jäger ohnegleichen und werden heute noch als Jagdgeister verehrt. Sie heirateten
später einander und aus dieser Verbindung gingen sagenhafte Jäger hervor.

3. Der Mythos von Saanè ni Kòntòròn nach Baala Jinba Diakite******
Als fügsamer junger Bruder war Manbi dem Wunsch seines älteren Halbbruders nachgekommen, die Arbeit
in der Familie zu teilen. So sollte sich Manbi mit den Feldarbeiten und sein Halbbruder sich mit der Jagd
beschäftigen. Alles ging gut, bis zu dem Tag, an dem die Mutter des älteren Bruders, die auch die erste Ehefrau
war, Nantènèn, der Mutter von Manbi, ein Stück Knochen verweigerte, den die Frauen damals verbrannten,
um sich dann die Finger mit der Asche zum Spinnen einzureiben.

Mehr als die Verweigerung
an sich wurde Nantènèn
durch die sie begleitenden
kränkenden Worte ihrer
„Mitehefrau“ verletzt. Diese
ließ sie wissen, dass die
Knochen die Früchte der
Mühen, ja der Verwegenheit
ihres Sohnes seien und
dass Nantènè genauso viele
in ihrem Besitz hätte, wenn
sie nicht einen Feigling zur
Welt gebracht hätte, der
Angst habe, sich dem Hunger,
dem Durst und der Gefährlichkeit
der Raubtiere
auszusetzen. Um diese Beleidigung
nicht auf sich sitzen
zu lassen, entschied sich
Manbi, Jäger zu werden. So
nahm er eine Flinte und ging
in den Busch. Zwei Tage lang
durchstreifte er ihn, ohne auf die winzigste Fährte zu treffen. Am dritten Tag kam er auf den Gipfel eines
Berges, wo er eine Höhle entdeckte, aus der eine Melodie erklang. Diese Grotte behausten Nyama, der
Schutzgeist des Busches, und Marama, seine Frau. Nachdem er sich Manbis Beschwerde und Vorhaben
angehört hatte, schloss Nyama einen Pakt mit dem Jäger. Der Gast sollte im Tausch gegen einen Kultgegenstand,
der ihm die geheime Zuflucht der Wildtiere aufschließen sollte, einen Tag lang Flöhe aus seinen Haaren
fangen, denn Nyama war ein sehr stark behaarter Zwerg mit so langen Haaren, dass er sie zum Hocker
rollen konnte. Dank seiner Fügsamkeit, aber vor allem seiner List, gelang es Manbi, dem Geist alle seine
Schutzmittel unter anderem Kòntòròn, das furchtbarste, zu entwenden. Ohne seine wundertätigen Stützen fiel Nyama widerstandslos Manbi zum Opfer, der auch Mariama zur Frau nahm. Am Eingang von Siriya,
seinem Dorf, beerdigte er den Kopf des Geistes in dem Dankun, der Straßenkreuzung. Dieser Ort wurde
damit zur ersten Kultstätte der Jäger. Außer Kòntòròn konnte Manbi das Sinbi, jenes magische Instrument,
erbeuten, das eine Melodie von sich gab, die Nyama allein auskostete.

Aus der Ehe mit Mariama
ging eine Tochter namens
Saanèba hervor, das einzige
Kind Manbis. Sie erbte von
ihrem Vater Kòntòròn. So
wurde Saanè in ihrer Lebenszeit
eine Jägerin ohnegleichen
und von allen Jägern
verehrt. Nach ihrem
Tod wurde Saanè und
Kòntòròn Gegenstand des
Jägerkultes.

Alle drei Fassungen des Mythos
lassen Saanè ni
Kòntòròn auf eine Verbindung
zwischen einem Menschen
und einem Geist zurückführen.
Diese übernatürliche
Verbindung räumt den
Jägern eine Stellung in der
Manding-Gesellschaft ein, die
noch immer besteht.

Gesellschaftsordnung und Jägerbundordnung

Die traditionelle Gesellschaft der Manding ist durch eine sehr ausgeprägte soziale Struktur gekennzeichnet.
So gehört das Individuum bei der Geburt zu einer der drei bestehenden Schichten.

Diese sind :

. Die Hòròn, etwa die Freien Menschen oder die Adeligen : Sie haben die wesentliche politische
Macht in der Hand. Beruflich sind sie hauptsächlich Bauern, Viehzüchter, Fischer...

. Die Nyamakala, etwa die Handwerker : Diese Schicht gliedert sich in drei weitere Gruppen :

o die Numun, etwa Schmiede

o die Garanke, etwa Schuster und

o die Jeli und Funè, Spezialisten der Redekunst und der Musik.

. Die Jòn, die Sklaven

Obwohl der moderne Staat diese Einteilung in Schichten nicht kennt, existiert diese traditionelle Organisation
der Gesellschaft im Kollektivgedächtnis und bestimmt je nach Umständen mehr oder weniger die soziale
Stellung des Menschen. Allerdings wird nicht mehr so streng darauf geachtet, nur innerhalb der eigenen
Schicht zu heiraten.

Wie spiegelt sich diese Gesellschaftsstruktur im Jägerbund wider ?

In dem Bund werden alle Mitglieder ohne Unterscheidung als Kinder von „Saani ni Kòntòròn“ betrachtet
und gleich behandelt. Das geht aus dem Eid bei der Weihe zum Sinbon hervor. Hier antwortet der Lehrling
auf folgende Fragen mit „ja“ :

Du hast keine Verwandten außer Saani ni Kòntòròn ?

Du hast keine Brüder außer den Jägern ?

Daher spielt die Einstufung des Individuums in eine soziale Gruppe beim Jägerbund keine Rolle. Im Gegensatz
zu der Gesellschaft, in der die Zugehörigkeit zu einer Gruppe Ehre und Ruhm verleihen kann, sind der
Aufstieg und der mit ihm verbundene Ruhm in der Jägergesellschaft nur durch eigene Leistungen bedingt
und sie können nie vererbt werden. Das deutlichste Beispiel von den gegensätzlichen Gesetzmäßigkeiten in
der Gesellschaft und im Jägerbund stellt die Funktion des Jägererzählers dar. Die traditionelle Gesellschaftsordnung
schreibt die Handhabung der Sprache der Gruppe der Nyamakala (etwa Handwerker) zu.
Demnach sollte der Jägererzähler, dessen Funktion in der Verfassung und dem Vortrag von Geschichten,
Liedern und Dithyramben zu Ehre der Jäger besteht, ein Nyamakala sein. Denn Singen, Erzählen und vor
allem Loben fallen in der Tradition dem Jeli zu. Da aber der Jägerbund diese Einteilung der Tätigkeiten aufgehoben
hat, kann jedes Mitglied, das dazu fähig ist, mit dem Sinbi, dem Musikinstrument der Jäger, umzugehen,
Jägerkünstler werden.

Eine für die Manding weitere
wichtige Gesetzmäßigkeit stellen
die Faya (Zugehörigkeit zur
Generation der Väter) und die
Kòdòya (das Erstgeburtsrecht)
dar. Fa (Vater) bezeichnet diejenigen,
die in einem Stammbaum
zu der Generation der Väter
gehören. Diese haben nach der
Tradition den Vorrang über diejenigen,
die der Generation der
Kinder gehören.

Dem Erstgeburtsrecht nach haben
innerhalb einer Generation
die Erstgeborenen den Vorrang
über die Jüngeren.

Diesen Gesetzmäßigkeiten setzt
der Jägerbund das Prinzip der
Erstmitgliedschaft gegenüber.
Danach ist der Ältere dem Jüngeren unterstellt, wenn der Ältere nach dem Jüngeren dem Bund beigetreten
ist. Da aber der Jägerbund zu den höheren Institutionen der traditionellen Bildung gehörte und die Jungen
ihm altersgemäß beigetreten sind, konnte es nicht zu solchen extremen Fällen kommen. Aus diesem Grund
haben im Jägerbund genau wie in der normalen Gesellschaft die Älteren den Vorrang vor den Jüngeren.

Die militärpolitische Funktion der Jäger

Der Mythos ist entstanden, nachdem der Mensch lange Zeit die Jagd betrieben hat. Er hat daher wenig
Bedeutung für die Nahrungsversorgung. Seine Entstehung entspringt in einer Zeit, in der die in kleinen,
zersplitterten Gruppen lebenden Vorfahren der Manding anfingen, in größeren Gemeinschaften zu leben.
Diese neue Lebensform ging aber mit einer Herrschaftsfrage einher. Der Überlieferung nach war es ein
Heerführer, namens Mamadi Kani, der als erster die Jäger in Bünden organisieren konnte. So berichtet
Djibril Tamsir Niane : „Er versammelte sie oft im Busch, lehrte sie die Kunst des Jagens und zeigte ihnen die
Blätter, die Wunden und Krankheiten heilen. Mit Unterstützung seiner Anhänger wurde er König eines unermesslichen
Landes.“

Die Organisationsform der Jäger entspricht daher dem Willen der Heerführer, ihre Herrschaft durchzusetzen.
Die Unterteilung des Bundes in kleinere Einheiten (Kara, Daka Kinyè, Tuntun, Kòrè und Kama) drückt
diesen Willen nach mehr Macht aus. Die politische Funktion der Jägerbünde ist umso verständlicher, als die

Beherrschung der Handhabung der gängigen Jagdwaffen, die auch Kriegswaffen waren, die Jäger nicht nur
zu Versorgern, sondern auch zu Schutzherren ihrer Gemeinschaften machte.

Die ersten feudalistischen Organisationen des Stammes der Mandenka in Königtümern sind in diesem Kontext
entstanden. Die Jäger bildeten das Knochengerüst der Militärkörper dieser Königtümer. So besteht
eine Wechselbeziehung zwischen dem Jäger und dem Heerführer. Ein Beleg dafür ist die Bezeichnung der
damaligen Könige. Sie trugen fast ausschließlich auch den Jägertitel „Sinbon“ (Meister der Jagd). So trug
Sunjata außer dem Titel Mandenmansa (Kaiser von Manden) unter anderem folgende Titel : „Sinbon“ und
„Kala Jata“ (der Löwe mit dem Bogen). Kabala Sinbon, Kaninyòkòn Sinbon, Lanyòkòn Sinbon, Sika Sinbon et
Sinbonba Tanyakatè sind weitere Heerführer mit Jägertiteln.

Dem politischen Aufstreben der Jägerorganisationen wurde durch die Kolonialherrschaft, aber auch durch
die darauf folgende Gründung der modernen afrikanischen Staaten nach Erlangen der Unabhängigkeit ein
Ende gesetzt. Sie wurden seit dieser Zeit auf Jägerbünde dörflicher Bedeutung beschränkt. Dennoch schützen
weiterhin die Jägerbünde in den entlegenen Ortschaften die Einwohner gegen Gefahren aller Art. Diese
Funktion der Jäger ist unentbehrlich, denn seit der Revolution von 1991, die der Diktatur des Einparteiensystems
ein Ende gesetzt hat, gibt es als Nebenwirkung einen Zerfall der Staatgewalt, der landesweit zum
Anstieg der Kriminalität geführt hat.

Die fortschreitende Versteppung, mit einer Verarmung
des Buschbestandes an Wild als Folge, und das Jagdverbot
durch die modernen Staaten haben zudem der
Jagd ihre Grundlagen entzogen. Um ihre Haupttätigkeit
gebracht, konzentrieren sich die Jagdbünde auf ihre
Funktion als Bewahrer und Vermittler der kulturellen
Werte der Gemeinschaft.

Die heilkundige Funktion der Jäger

Die Jäger haben nicht nur Kriege zugunsten einer politischen
Macht geführt. Durch ihren tagtäglichen Umgang
mit dem Busch konnten sie umfangreiche Kenntnisse
über Pflanzen und deren therapeutische Wirkungen
erwerben. Diese außergewöhnlichen Kenntnisse haben
die Jäger dafür eingesetzt, physische und psychische
Leiden in ihren Gemeinschaften zu lindern. So werden
sie auch heute noch wie früher von leidenden Menschen
ständig in Anspruch genommen. Der Aufschwung
dieser Funktion ist nicht nur der unzulänglichen
medizinischen Versorgung der Bevölkerung zu
verdanken sondern auch der wachsenden Verarmung,
die ihr nicht erlaubt, die hohen Kosten für eine moderne
ärztliche Behandlung zu tragen. Auch überkommene
kulturelle Einstellungen der Bevölkerung führen zur
ständigen Inanspruchnahme traditioneller Heilmethoden.
In manchen Straßen in den Großstädten weisen

Schilder mit der Beschriftung „Großer Heilkundiger Jäger“ auf ihre Wohnorte hin, die bei Tag und bei Nacht
aufgesucht werden.

Man muss sich weiterhin die Vorstellungskraft der Manding vergegenwärtigen, um die weitgehende heilkundige
Funktion des Jägers zu begreifen. Diese Völker unterscheiden nach ihren mutmaßlichen Ursachen
zwei Arten von Krankheiten. Einerseits die einfachen Krankheiten, die genauso gut mit traditionellen sowie
auch mit modernen medizinischen Mitteln geheilt werden können ; andererseits die Krankheiten durch
Verhexung, deren Heilung die Kenntnis von einer Welt verlangt, die sich von der „Welt der Augen, der Nase,
des Mundes und der Hände, also der Welt des Körpers oder der Nicht-Initiierten“ unterscheidet. Der

Jäger, der in die „unsichtbaren Dinge“ eingeweiht ist, verfügt über diese Kenntnisse. Da nach der Vorstellung
der Manding keine Krankheit ohne mystische Ursache auftreten kann, bleibt der geistliche Zuspruch
und damit das Weiterbestehen der Jäger von Belang.

Die künstlerische Funktion des Jägerbundes

Eine weitere nicht weniger nützliche Funktion des Jägerbundes besteht in der Verfassung und Veranstaltung
von unterhaltenden und an Erziehungswerten reichen Liedern und Geschichten, die mit dem Begriff
„Jägerdichtung“ bezeichnet werden. Unter Jägerdichtung wird ein Komplex von Liedern, Lobpreisungen
und Geschichten verstanden, die anlässlich ritueller Veranstaltungen der Jägerbünde oder bei Familienfeiern
ihrer Mitglieder (Tod, Hochzeit, Taufe u.a.) auf den Dorfplätzen zu Ehren von lebenden sowie verstorbenen
Jägern aufgeführt werden. Diese Inszenierungen, die eine ganze Nacht oder auch mehrere Nächte
dauern können, werden von Tänzen und anderen darstellerischen Elementen begleitet.

In den Jägererzählungen werden
nicht nur Jagdgeschichten erzählt.
Alle Bereiche des gesellschaftlichen
Lebens, alle Sorgen und Freuden des
Menschen werden zum Thema dieser
Darstellungen.

Der Verfasser und Veranstalter der
Jägerliteratur wird Sora bzw. Sèrè
oder Nkònifò genannt. Er ist ein Mitglied
des Bundes, muss aber keine
Jagd betreiben. Die Sora treten immer
in kleinen Gruppen von zwei bis
vier Künstlern unter der Führung
eines Meisters auf. Da das Leben im
Sinne des Jägers im „Streben nach
Ruhm“ besteht und der Sora derjenige
ist, der diesen Ruhm darstellen
darf, macht ihn diese Funktion zu
einer zentralen Persönlichkeit des Bundes. Die folgenden Worte eines berühmten Sora verdeutlichen dies :
„Meister, ihr solltet Jäger werden, damit ich preise !“

Das in der Jägerdichtung von Stolz und Ehrgefühl geprägte dargestellte Bild des Jägers trägt dem Ideal eines
Mannes Rechnung, wie es sich die Manding seit ihren epischen Helden vorstellen. Um sich Ruhm zu verschaffen,
ist er zum einem bereit, durch heldenhaftes Benehmen individuelle Glanzleistungen zu vollbringen
(Kèya : Mann-Sein) ; zum anderen ist er in der Lage, durch seine Einweihung „in die unsichtbaren Dinge“
den Menschen bei der Überwindung ihrer physischen und psychischen Leiden zu helfen (Suya : Zauberkraft).

Wegen der Verarmung des sudanosahelischen Busches an Wild ist es heute eine nicht zu leugnende Tatsache,
dass die Faszination der Jägerbünde mehr auf ihrer heilkundigen Funktion sowie dem Reiz ihrer künstlerischen
Darbietungen als auf dem Interesse für eine Jagdbeute beruht.

Von der mittelalterlichen Zeit bis zur Gründung der modernen unabhängigen Staaten haben die Jäger neben
der Jagdtätigkeit auch eine wichtige militärpolitische Funktion erfüllt. Nach dem Aufkommen moderner
Gesellschaftsformen mussten die Jäger ihre bis dahin führende politische Rolle abtreten, konnten sich aber
weiterhin der Bewahrung jahrhundertealter kultureller Traditionen ihrer Gemeinschaft widmen.

DR. BRAHIMA CAMARA

*** Die Manding Kulturära umfasst teilweise die folgenden westafrikanischen Länder : einen großen Teil Malis, den Süd-Osten Guineas,
den Süd-Westen Burkina Fasos, den östlichen Teil Senegals, den südlichen Teil der Côte d´Ivoire sowie einen Teil Gambias,
Sierra Lionne und Bissau Guineas. Dieser Raum entspricht etwa dem Ausdehnungsgebiet des mittelalterlichen Mali Reiches.

**** Es gibt viele unterschiedliche Bezeichnungen für dasselbe Phänomen : Saanè bzw Saani oder Saanènè und Kòntòròn bzw. Kòntròn
oder Kòndòlòn.

***** Cf Traoré Karim, Le jeu et le sérieux. Anthropologie littéraire sur la poésie épique des chasseurs du Manden (Afrique de l´Ouest),
Manuskript, S 86-91 (Diese Arbeit ist veröffentlicht worden. Wir verfügen aber über kein Exemplar davon, deshalb zitieren wir aus
dem Manuskript, das der Autor uns mit seinen Dankworten „en attendant le livre“ geschenkt hat).

****** Zu dieser Fassung siehe Camara Brahima, 1998, S 4 ff

   
 
 
Dans la même rubrique

© 2011 - VIROFLAY - Tous droits réservés